In einer kleinen Wohnung ist der Boden verplant, bevor der erste Karton ausgepackt ist. Bett, Tisch, Sofa, Schrank — und die Frage, wohin mit dem Rest.
Die Antwort liegt fast nie in einem weiteren Möbelstück, sondern in einer Richtung, in die man selten schaut.
Die Kernzahl: Stauraum ist Volumen
Wohnfläche wird in Quadratmetern gemessen, Stauraum in Litern. Ein Quadratmeter Boden unter einer Decke von 2,40 m sind rechnerisch 2.400 Liter Raum. Wer nur auf die Fläche schaut, übersieht den größten Teil davon.
2,40 m ist kein Zufallswert: Die Musterbauordnung schreibt für Aufenthaltsräume eine lichte Höhe von mindestens 2,40 m vor (§ 47 MBO), mit Ausnahmen für Dachgeschosse und kleinere Wohngebäude.
Zur Einordnung der Fläche: Laut Statistischem Bundesamt kamen Ende 2024 im Schnitt 49,2 m² Wohnfläche auf eine Person. Ein Einpersonenhaushalt belegt im Mittel 73,3 m², pro Kopf in einem Zweipersonenhaushalt sind es 51,5 m². Wer deutlich darunter wohnt, hat weniger Boden — aber meist dieselbe Raumhöhe.
Wo der Platz rechnerisch steckt
| Ort | Rechnung | Volumen |
|---|---|---|
| Unter einem Bett 90 × 200 cm, 20 cm frei | 0,9 × 2,0 × 0,2 m | 360 l |
| Über einem 201 cm hohen Schrank, 100 cm breit, 58 cm tief, bis 2,40 m | 1,0 × 0,58 × 0,39 m | 226 l |
| Derselbe Schrank 236 statt 201 cm hoch | 1,0 × 0,58 × 0,35 m | 203 l mehr |
| Regal 80 cm breit, 40 cm tief, 200 cm hoch | 0,8 × 0,4 × 2,0 m | 640 l auf 0,32 m² |
Die Schrankmaße sind keine Annahme: IKEA führt den PAX-Korpus in den Höhen 201 und 236 cm und den Tiefen 35 und 58 cm. Der höhere Korpus bringt auf derselben Grundfläche gut 200 Liter mehr.
Alle Werte sind Bruttovolumen. Was davon nutzbar ist, hängt an den Boxen, die hineinkommen: Im Regal belegen Boxen im Schnitt nur rund die Hälfte des Fachs, wie der Stauraum-Rechner zeigt.
Die Fallstricke
- Die Montagehöhe. Ein 236 cm hoher Schrank lässt sich nur aufrichten, wenn die Decke mindestens 237 cm hoch ist, mit Schiebetüren 240 cm — so steht es bei IKEA. Bei genau 2,40 m ist das knapp, bei Dachschrägen oder abgehängten Decken oft zu knapp.
- Oben lagern heißt selten greifen. Was über Kopfhöhe steht, wird ohne Tritt nicht erreicht. Dorthin gehört, was einmal im Jahr gebraucht wird.
- Gewicht oben. Schwere Boxen auf dem Schrank belasten die Oberseite und sind beim Herunterheben riskant. Kein Boxhersteller im Boxenvergleich nennt eine Stapellast.
- Tiefe gegen Zugänglichkeit. Ein 58 cm tiefer Schrank fasst mehr, aber in der zweiten Reihe verschwindet, was vorn keinen Platz findet. Die flache PAX-Variante mit 35 cm ist in Fluren oft die bessere Wahl.
- Das Bett ohne Freiraum. Unter viele Boxspringbetten passt keine Box — die freie Höhe entscheidet, siehe Unterbettkommoden.
Was praktisch hilft
- Erst reduzieren, dann verstauen. Jeder Gegenstand, der geht, braucht keinen Platz. Man kann nicht organisieren, was man eigentlich nicht braucht — der Ablauf steht unter Ausmisten.
- Nach Zugriff sortieren. Täglich: zwischen Knie- und Schulterhöhe. Wöchentlich: darüber und darunter. Saisonal: unters Bett und auf den Schrank.
- In die Höhe planen statt in die Breite. Bei Neukauf den höheren Schrank und das höhere Regal wählen, wenn die Decke es erlaubt.
- Einheitliche Boxen verwenden. Eine Größe, die ins Fach passt, lässt sich stapeln, tauschen und beschriften. Welche Größe ein Fach am besten füllt, rechnet der Stauraum-Rechner aus.
- Saisonales komprimieren. Bettdecken und Winterkleidung nehmen in Vakuumbeuteln einen Bruchteil des Platzes ein.
Was ich noch nicht weiß
- Wie viel Stauraum ein Haushalt tatsächlich braucht. Es gibt Statistiken zur Wohnfläche, aber keine zum Volumen der Dinge, die darin stehen. Eine belastbare Faustregel habe ich nicht gefunden.
- Wie hoch Wohnungen im Bestand wirklich sind. Die 2,40 m sind ein Mindestwert für neue Aufenthaltsräume. Altbauten liegen oft darüber, Dachwohnungen darunter — eine Verteilung veröffentlicht niemand.
- Wie viel Last eine Schrankoberseite trägt. Möbelhersteller nennen Fachlasten, für die Oberseite fast nie.
Häufige Fragen
Wie schafft man Stauraum in einer kleinen Wohnung?
Indem man in Litern statt in Quadratmetern denkt. Ein Quadratmeter Boden unter 2,40 m Decke sind 2.400 Liter Raum, und die liegen vor allem in der Höhe: Über einem 201 cm hohen Schrank mit 100 × 58 cm Grundfläche stecken rechnerisch 226 Liter, unter einem Bett von 90 × 200 cm mit 20 cm Freiraum 360 Liter. Vorher lohnt sich das Ausmisten — jeder Gegenstand, der geht, braucht keinen Platz mehr.
Wie hoch darf ein Kleiderschrank bei 2,40 m Raumhöhe sein?
Stehen darf ein Schrank bis knapp unter die Decke, entscheidend ist das Aufrichten bei der Montage. IKEA gibt für den 236 cm hohen PAX-Korpus eine Deckenhöhe von mindestens 237 cm an, mit Schiebetüren 240 cm. Bei genau 2,40 m reicht das, bei Dachschrägen, Deckenleuchten oder abgehängten Decken nicht immer. Vorher an der Stelle messen, an der der Schrank stehen soll.
Was kann man unter dem Bett verstauen?
Alles, was selten gebraucht wird und flach bleibt: Bettwäsche, Saisonkleidung, Schuhe, Deko. Unter einem Bett von 90 × 200 cm mit 20 cm Freiraum stecken rechnerisch 360 Liter. Die Box sollte etwa 3 cm niedriger sein als die freie Höhe bis zum tiefsten Balken; bei 20 cm passen also Boxen bis 17 cm. Unter Boxspringbetten mit 12 cm hohen Beinen passt keine der verglichenen Boxen.
Was soll man oben auf den Schrank stellen?
Dinge, die man höchstens einmal im Jahr braucht und die wenig wiegen: Deko, Koffer mit Saisonkleidung, Erinnerungsstücke. Für schwere Inhalte ist die Oberseite schlecht geeignet, weil man sie über Kopfhöhe heben muss und weder Möbel- noch Boxhersteller eine Last dafür nennen. Durchsichtige Boxen mit Deckel ersparen es, jede herunterzuholen, um zu sehen, was darin ist.
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