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Im Juli steht die Kellertür offen, damit warme Luft den Raum trocknet. Im Oktober riecht der Karton mit den Winterstiefeln muffig. Die Lüftung war gut gemeint und hat das Gegenteil bewirkt.
Eine dichte Box kann helfen, aber erst als letzter Schritt. Unter den 14 Boxen im Vergleich der Aufbewahrungsboxen mit Deckel haben laut Hersteller zwei eine Deckeldichtung — und keine davon einen Prüfwert.
Die Kernzahl: 80 Prozent an der Oberfläche reichen für Schimmel
Für Schimmel genügt laut Umweltbundesamt eine relative Luftfeuchte von ungefähr 80 Prozent an der Oberfläche eines Materials. Sichtbar nass muss es dafür nicht sein. Besonders gut wächst Schimmel, wo sich Tauwasser bildet.
Der Keller ist dafür anfällig, weil relative Feuchte von der Temperatur abhängt. Warme Luft enthält bei gleicher relativer Feuchte viel mehr Wasser als kalte, schreibt das Umweltbundesamt. Bei Kellern in Altbauten ist die Wandtemperatur laut Amt auch im Sommer häufig niedrig — die feuchte Sommerluft kühlt an der Wand ab und schlägt sich dort nieder. Häufiges Lüften zum „Abtrocknen“ ist dann falsch.
Was das Hygrometer im Keller anzeigt
| Relative Luftfeuchte | Bedeutung | Quelle |
|---|---|---|
| 40 bis 60 % | empfohlener Bereich der Raumluft | Umweltbundesamt, „Wie lüfte ich richtig?“ |
| 65 bis 70 % | dauerhafte Obergrenze der Raumluft, im Winter eher weniger | UBA-Ratgeber Schimmel, S. 5 |
| 80 % an Wandoberflächen | Obergrenze direkt an der Wand; ab rund 80 % an einer Oberfläche kann Schimmel wachsen | UBA-Ratgeber Schimmel, S. 5 und 7 |
| Tauwasser auf dem Material | besonders gute Wachstumsbedingungen | UBA-Ratgeber Schimmel, S. 7 |
Ein Hygrometer misst die Luft im Raum, nicht die Wand. Je kälter eine Wandoberfläche ist, desto höher ist laut Umweltbundesamt die relative Feuchte direkt daran. Zeigt das Gerät in der Raummitte 70 Prozent, kann die kalte Außenwand dahinter schon über 80 Prozent liegen.
Was „luftdicht“ bei Aufbewahrungsboxen heißt
| Box | Aussage des Herstellers | Prüfverfahren oder Schutzart |
|---|---|---|
| Rotho Evo Total Protection 44 l | Dichtungen sollen verhindern, dass Schmutz oder Feuchtigkeit eintritt; Verschlussclips | keine Angabe |
| Iris Ohyama WSB-45 | Deckel mit Dichtung gegen Feuchtigkeit und Staub, Clips; auf der Herstellerseite „hermétique“ genannt | keine Angabe |
| die übrigen 12 Boxen im Vergleich | keine Dichtung genannt | — |
Das Wort „luftdicht“ belegt keiner der beiden Hersteller. Eine IP-Schutzart, wie sie Gehäuse gegen Staub und Wasser ausweisen, nennen weder Rotho noch Iris, einen Temperaturbereich für die Evo Total auch nicht. Aus den Datenblättern lässt sich also nur ablesen, dass eine Dichtung da ist — nicht, was sie im Keller leistet.
Rotho Evo Total Protection 44 l — Dichtung und Verschlussclips, lebensmittelecht
nach Datenblatt bewertet- Nennvolumen laut Hersteller 44 l
- Innenvolumen aus Innenmaßen (gerechnet) 32,2 l
- Außenlänge 59 cm
- Außenbreite 39,5 cm
Daten laut rotho.com
Die Fallstricke
- Pappe in der Box. Papier, Pappe und Karton führt das Umweltbundesamt ausdrücklich als Nährboden für Schimmel. Wer Schuhkartons oder Originalverpackungen in die dichte Box stellt, lagert das Problem mit ein. Bei Weihnachtsdeko steckt Karton oft in den Einsätzen: 7 von 12 Boxen für Weihnachtskugeln enthalten Pappe oder Karton.
- Kunststoff schimmelt auch. Auf derselben UBA-Liste stehen Kunststoffe, Gummi und Silikon, dazu jedes Material, auf dem sich organischer Staub abgesetzt hat. Die Box schützt den Inhalt, nicht ihre eigene Oberfläche.
- Feucht eingepackt bleibt feucht. Was die Dichtung draußen halten soll, hält sie auch drinnen. Wäsche, Schuhe und Zelte kommen deshalb nur vollständig trocken hinein.
- Die Box direkt an der Wand. Für Möbel an kalten Außenwänden nennt das Umweltbundesamt ca. 10 cm Mindestabstand. Die Broschüre meint Wohnräume, beschreibt aber genau die kalte Wand, die Keller laut Amt oft haben.
Was praktisch hilft
- Erst messen, dann packen. Schon ein einfaches Hygrometer hilft laut Umweltbundesamt, die Raumluftfeuchte im Blick zu behalten. Über einen Sommer zeigt es, ob der Keller dauerhaft über 65 bis 70 Prozent liegt.
- Pappe raus, Kunststoff rein. Kartons und Pappeinsätze bleiben in der Wohnung oder gehen ins Altpapier, siehe Weihnachtsdeko aufbewahren.
- Für Empfindliches eine Box mit Dichtung. Die Rotho Evo Total Protection ist 39,5 cm breit und passt quer in ein 40 cm tiefes Regal, die Iris WSB-45 braucht mit 43,1 cm ein tieferes. Welche Größe ein Fach füllt, rechnet der Stauraum-Rechner aus.
- Abstand zur Wand, Abstand zum Boden. Etwa 10 cm zur Außenwand nach der UBA-Richtschnur, und Boxen ins Regal statt auf den Boden. Wie Regal und Boxen zusammenpassen, steht unter Keller organisieren.
- Richtig lüften, Tür zu. Im Sommer nachts oder in den kühlen Morgenstunden, Kellertüren zum Treppenhaus geschlossen — beides empfiehlt das Umweltbundesamt. Lässt sich Schimmel trotzdem nicht verhindern, hilft laut Amt nur Wärmedämmung, Beheizen oder Trocknen der Raumluft.
Was ich noch nicht weiß
- Wie dicht die Dichtungen wirklich sind. Weder Rotho noch Iris nennen ein Prüfverfahren. Eine eigene Prüfung ist möglich: je ein Hygrometer mit Speicher in und neben einer geschlossenen Box, einen Sommer lang im Keller.
- Ob sich in der geschlossenen Box Tauwasser bildet. Wird eine Box an einem warmen Tag gepackt und steht danach kalt, kühlt auch die eingeschlossene Luft ab. Was dabei passiert, beschreibt kein Hersteller.
- Wie genau einfache Hygrometer messen. Das Umweltbundesamt empfiehlt sie zur Orientierung, nennt aber keine Messgenauigkeit.
Häufige Fragen
Welche Aufbewahrungsboxen sind luftdicht?
Belegt ist das bei keiner gängigen Box. Unter 14 Aufbewahrungsboxen mit Deckel haben laut Hersteller nur zwei eine Deckeldichtung: die Rotho Evo Total Protection 44 l, deren Dichtungen laut Rotho Schmutz und Feuchtigkeit fernhalten sollen, und die Iris Ohyama WSB-45, die Iris als „hermétique“ bezeichnet. Ein Prüfverfahren, eine IP-Schutzart oder einen Temperaturbereich nennt keiner der beiden. „Luftdicht“ ist damit eine Beschreibung, keine gemessene Eigenschaft. Für einen feuchten Keller ist eine Box mit Dichtung trotzdem die bessere Wahl als eine mit aufgelegtem Deckel.
Wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit im Keller sein?
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Raumluft 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Dauerhaft sollten es nicht mehr als 65 bis 70 Prozent sein, unmittelbar an Wandoberflächen nicht mehr als 80 Prozent, denn ab etwa 80 Prozent an einer Materialoberfläche kann Schimmel wachsen. Im Keller zählt vor allem die Wand: Kellerwände sind oft kälter als die Raumluft, und direkt an ihnen liegt die relative Feuchte höher als das, was ein Hygrometer in der Raummitte anzeigt. Eine eigene Grenze nur für Keller nennt das Amt nicht.
Warum wird der Keller im Sommer feucht?
Weil warme Sommerluft auf kalte Wände trifft. Warme Luft enthält bei gleicher relativer Feuchte viel mehr Wasser als kalte. Gelangt sie in den Keller und kühlt an der Wand ab, schlägt sich das Wasser nieder, und laut Umweltbundesamt kann dort Schimmel wachsen. Bei Kellern in Altbauten ist die Wandtemperatur laut Amt auch im Sommer häufig niedrig. Deshalb lüftet man Kellerräume im Sommer nachts oder in den kühlen Morgenstunden, nicht tagsüber, wenn die Außenluft warm und feucht ist. Im Winter ist Lüften zu jeder Tageszeit möglich.
Kann man Kleidung in Plastikboxen im Keller lagern?
In einem trockenen Keller ja, in einem feuchten nur eingeschränkt. Das Umweltbundesamt rät, in Kellern mit durchfeuchteten Wänden keine schimmelempfindlichen Gegenstände des täglichen Bedarfs zu lagern. Wenn Kleidung in den Keller muss, dann vollständig trocken, ohne Karton und in einer Box mit Deckeldichtung, etwa der Rotho Evo Total Protection oder der Iris Ohyama WSB-45. Die Box steht im Regal mit etwa 10 cm Abstand zur Wand, nicht auf dem Boden. Wie gut die Dichtung Feuchte über Monate abhält, belegt allerdings kein Hersteller mit einem Prüfwert.
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